Gestern lief Ihr Pferd noch normal, heute setzt es einen Huf kaum noch auf? Dann steckt oft ein Hufgeschwür dahinter. Es gilt als die häufigste Ursache dafür, dass ein Pferd ein Bein plötzlich gar nicht mehr belastet[1]. Das sieht beängstigend aus, ist aber meist gut zu behandeln. Auf dieser Seite erklären wir, wie Sie ein Hufgeschwür erkennen, wen Sie rufen sollten, wie wir vorgehen und wann es wirklich ernst wird.

Was ist ein Hufgeschwür?

Ein Hufgeschwür ist eine eitrige Entzündung im Huf, meist zwischen dem empfindlichen Gewebe und dem harten Horn[1]. Bakterien gelangen durch kleine Risse, eine aufgeweitete weiße Linie, eine Prellung der Sohle, einen eingetretenen Stein oder einen Fremdkörper in den Huf. Auch ein Hufnagel, der zu nah an der Lederhaut sitzt, kann der Auslöser sein[1][3]. Meist lässt sich die genaue Ursache aber nicht mehr feststellen[1].

Der Eiter kann nicht abfließen, und die Hornkapsel gibt nicht nach. So baut sich ein hoher Druck auf, und genau der verursacht die starken Schmerzen[1][3].

Was das Risiko erhöht:

  • Nässe und der Wechsel von nass zu trocken: Nasses Horn wird weich, und häufiges Austrocknen macht es spröde und rissig[1][4].
  • Lange Abstände zwischen den Bearbeitungen: Die Zehe wird zu lang, die Hufwand wird stärker gehebelt, und die weiße Linie weitet sich[4].
  • Dünne Sohlen, Hufrehe oder eingerollte Trachten: Solche Hufe bekommen eher immer wieder ein Hufgeschwür[1][3].

Der britische Pferdesportverband (British Horse Society) nennt Frühjahr und Herbst als typische Zeit für Hufgeschwüre[4]. Eine Studie, die das belegt, kennen wir allerdings nicht.

Hufgeschwür erkennen: die typischen Anzeichen

  • Plötzliche, starke Lahmheit an einem Bein, oft bis dahin, dass das Pferd den Huf nur noch mit der Spitze aufsetzt[1][4]
  • Ein warmer Huf und eine deutlich fühlbare Pulsation an der Fessel[1][3][4]
  • Eine Schwellung am Kronrand, an den Ballen oder am Unterbein[1][3]
  • Eine heftige Schmerzreaktion, wenn mit der Hufuntersuchungszange auf die Sohle gedrückt wird[1]
  • Manchmal Fieber[3]

Ganz ähnlich können sich aber auch ein Hufbeinbruch, eine schwere Prellung oder eine Verletzung von Sehnen und Bändern im Huf äußern[1]. Deshalb sollten Sie nicht einfach abwarten.

Gut zu wissen: Bricht das Geschwür am Kronrand oder an den Ballen durch, tritt dort Eiter aus. Das passiert, wenn sich der Eiter unter der Hufwand nach oben ausbreitet, zum Beispiel weil das Geschwür nicht rechtzeitig eröffnet wurde[1][3]. Lassen Sie den Huf trotzdem von uns oder dem Tierarzt ansehen. In der amerikanischen Studie dauerte die Behandlung bei Geschwüren am Kronrand deutlich länger[6]. An der Durchbruchstelle entsteht später manchmal ein waagerechter Riss, eine Hornkluft[9]. Mehr dazu lesen Sie auf unserer Seite zu Hornspalten.

Hufschmied oder Tierarzt: Wen rufe ich?

Ob ein Hufgeschwür vom Hufschmied oder vom Tierarzt behandelt werden sollte, darüber diskutieren die beiden Berufe bis heute[7]. Bei uns ist es so: Wir finden ein Hufgeschwür bei der Bearbeitung oft schnell, manchmal ganz zufällig und manchmal sogar, bevor Ihnen eine Lahmheit aufgefallen ist. Wie es dann weitergeht und wie der Huf nachversorgt wird, entscheidet Ihr Tierarzt. Denn die Behandlung innerer Strukturen gehört in tierärztliche Hand. Besteht der Verdacht auf eine tiefere Verletzung, gehört das Pferd ohnehin immer zum Tierarzt.

Wichtig: Rufen Sie sofort den Tierarzt, wenn

  • Sie einen Nagel, eine Schraube oder einen anderen Fremdkörper im Huf finden. Ziehen Sie ihn nicht heraus. Lassen Sie das Pferd möglichst stehen. Der Tierarzt muss oft erst röntgen, um zu sehen, wie tief der Fremdkörper steckt[2][5].
  • der Verdacht auf einen Nageltritt besteht, vor allem im Bereich des Strahls,
  • Ihr Pferd Fieber hat oder das Bein deutlich anschwillt[3][4],
  • die Lahmheit nicht deutlich besser wird, nachdem das Geschwür eröffnet wurde. Normalerweise erwarten Fachleute eine Besserung schon innerhalb von zwölf Stunden[1],
  • Ihr Pferd den Huf über längere Zeit gar nicht belastet, ohne dass ein Geschwür gefunden wird[1],
  • das Hufgeschwür an derselben Stelle wiederkommt. Dann kann zum Beispiel eine Hornsäule dahinterstecken[1].

Fragen Sie Ihren Tierarzt in jedem Fall nach dem Tetanusschutz. Ohne Impfung in den letzten drei Jahren wird eine Auffrischung empfohlen[1].

So gehen wir vor

Bei einem beschlagenen Pferd nehmen wir zuerst das Eisen ab und prüfen jedes Nagelloch. Mit der Hufuntersuchungszange suchen wir die schmerzhafte Stelle[3]. Finden wir dabei ein Hufgeschwür, besprechen wir mit Ihnen und Ihrem Tierarzt, wie es weitergeht. Möchte Ihr Tierarzt, dass wir das Geschwür eröffnen, übernehmen wir das in Absprache mit ihm. Wir öffnen dann nur ein kleines Loch, sodass der Eiter nach unten abfließen kann. Ein Loch von weniger als einem Zentimeter reicht in der Regel aus, auch wenn sich darunter eine größere Fläche abgelöst hat. Das gesunde Horn schonen wir dabei so gut wie möglich[1]. Ist das Horn sehr hart und die Stelle nicht zu finden, weicht ein feuchter Verband es für ein bis zwei Tage auf[1][3].

Danach bekommt der Huf einen Verband, der den Eiter abziehen lässt und Schmutz fernhält. Fachquellen nennen dafür etwa drei bis fünf Tage, mit einem Wechsel alle zwei bis drei Tage[1][3]. In den ersten Tagen ist das häufig ein Angussverband, der den Eiter herauszieht. Den legen nicht wir an, sondern Sie selbst oder Ihr Tierarzt. Fließt nichts mehr nach, reicht ein trockener, nicht klebender Verband, damit das Horn nicht unnötig weiter aufweicht[4]. Das Eisen kommt bei uns wieder drauf, wenn Ihr Pferd lahmfrei ist und die Öffnung weitgehend verhornt ist. Ob dabei etwas unter das Eisen kommt, entscheiden wir je nach Größe der Öffnung: Manchmal polstern wir die Sohle mit einer weichen Polstermasse ab, manchmal braucht es gar nichts.

Ehrlich gesagt: Zum Hufgeschwür gibt es überraschend wenige Studien. Die erste rückblickende Studie dazu erschien laut ihren Autoren erst 2019 (online 2018). Sie wertete 160 Fälle einer amerikanischen fahrenden Tierarztpraxis aus, ohne Vergleichsgruppe[6]. Studien, die Angussverbände, Bittersalzbäder oder bestimmte Verbände miteinander vergleichen, haben wir nicht gefunden. Selbst bei Schmerzmitteln sind sich die Fachleute uneinig: Ein tiermedizinisches Nachschlagewerk empfiehlt sie, weil das Pferd den Huf dann mehr belastet und der Eiter besser abfließt[1]. Das Tierspital Zürich rät dagegen davon ab, bevor das Geschwür eröffnet ist, weil es sonst in der Tiefe weiterschwelen kann[3]. Unser Vorgehen beruht deshalb auf dem Konsens von Fachleuten und auf unserer Erfahrung aus der Praxis. Eine Heilung können wir nicht versprechen.

Hausmittel und Schmerzmittel

  • Weich machen: Ein warmes Fußbad mit Bittersalz oder ein Angussverband weicht das Horn auf und kann helfen, dass das Geschwür aufgeht[4]. Ist es offen und abgeflossen, wechseln Sie auf einen trockenen, nicht klebenden Verband, wie oben unter „So gehen wir vor“ beschrieben[4].
  • Verband nicht zu fest: Am Kronrand sollte rundherum noch ein Finger zwischen Verband und Huf passen[4].
  • Keine Schmerzmittel auf eigene Faust: Nach Ansicht des Tierspitals Zürich stören sie das Reifen des Geschwürs, und es bleibt in der Tiefe sitzen[3]. Ob Ihr Pferd Schmerzmittel oder Antibiotika bekommt, entscheidet der Tierarzt. Antibiotika sind bei einem einfachen Hufgeschwür meist nicht nötig[1].
  • Nicht selbst mit dem Messer suchen. Wird zu viel Sohle weggeschnitten, schadet das dem Huf[1].

Häufige Fragen

Wie lange dauert ein Hufgeschwür?

Ist das Geschwür eröffnet und kann der Eiter abfließen, geht es dem Pferd meist schon innerhalb von zwölf Stunden deutlich besser[1]. Leichte Fälle sind oft nach wenigen Tagen bis einer Woche überstanden. Tiefe oder hoch sitzende Geschwüre können Wochen dauern, an den Hinterhufen manchmal auch länger[4]. Auch im Sommer und bei Geschwüren am Kronrand dauerte die Behandlung in der amerikanischen Studie länger[6].

Wie lange darf ich nicht reiten?

Wir empfehlen zu warten, bis Ihr Pferd wieder lahmfrei ist und die Öffnung trocken und verhornt ist. Bei einem komplizierten Geschwür legt der Tierarzt fest, wann und wie Ihr Pferd wieder belastet werden darf.

Muss ein Pferd mit Hufgeschwür eingeschläfert werden?

Bei einem gewöhnlichen Hufgeschwür nicht. Es ist sehr schmerzhaft, heilt aber in aller Regel gut aus, sobald es eröffnet ist und der Eiter abfließen kann. Fachleute bewerten die Aussichten als gut bis sehr gut[1][3]. Ernst wird es, wenn tiefere Strukturen wie das Hufbein, ein Gelenk oder ein Schleimbeutel betroffen sind, zum Beispiel nach einem Nageltritt[1][2]. Bei den 95 Pferden einer britischen Klinikstudie mit solchen Verletzungen überlebten nur 56 % den Klinikaufenthalt. Je später die Pferde in die Klinik kamen, desto schlechter waren die Aussichten[8]. Genau deshalb sollten Sie bei einem Nageltritt nicht warten.

Kann ich einem Hufgeschwür vorbeugen?

Ganz verhindern lässt es sich nicht. Sie senken das Risiko aber, wenn Sie die Hufe täglich auskratzen, Ihr Pferd trocken stellen und die Bearbeitungstermine einhalten[4].

Bei Fragen, oder wenn Sie unsicher sind, ob wir uns den Huf ansehen sollen, erreichen Sie uns telefonisch unter 0151 19659282 oder über unsere Kontaktseite.

Quellen

Uns ist wichtig, dass Sie nachvollziehen können, worauf diese Seite beruht. Das Hufgeschwür ist zwar sehr häufig, aber wissenschaftlich kaum untersucht. Es gibt eine Fallstudie aus der Praxis und eine Klinikstudie zu Nageltritten. Vieles beruht auf Fachbüchern und dem Konsens von Fachleuten. Wo das so ist, sagen wir es dazu.

  1. Beasley B (2024): Hoof Abscesses in Horses. Merck Veterinary Manual (Fachbegutachtung: A. Abuelo). merckvetmanual.com
    Tiermedizinisches Nachschlagewerk.
  2. Moorman VJ (2024): Puncture Wounds of the Foot in Horses. Merck Veterinary Manual (Fachbegutachtung: A. Abuelo). merckvetmanual.com
    Tiermedizinisches Nachschlagewerk, Kapitel zu Nageltritten.
  3. Universitäres Tierspital Zürich, Pferdekliniken: Hufabszess. tierspital.uzh.ch
    Informationsseite einer Universitäts-Pferdeklinik für Pferdebesitzer.
  4. The British Horse Society: Hoof abscesses in horses. bhs.org.uk
    Ratgeber des britischen Pferdesportverbands (British Horse Society) für Pferdehalter.
  5. The British Horse Society: Hoof penetration injuries. bhs.org.uk
    Ratgeber zum Verhalten bei Nageltritt und Fremdkörpern.
  6. Cole SD, Stefanovski D, Towl S, Boyle AG (2019): Factors associated with prolonged treatment days, increased veterinary visits and complications in horses with subsolar abscesses. Veterinary Record 184(8):251. doi:10.1136/vr.104138 · PubMed
    Rückblickende Studie mit 160 Fällen einer US-Fahrpraxis, ohne Vergleichsgruppe.
  7. Redding WR, O’Grady SE (2012): Septic diseases associated with the hoof complex: abscesses, puncture wounds, and infection of the lateral cartilage. Veterinary Clinics of North America: Equine Practice 28(2):423–440. doi:10.1016/j.cveq.2012.06.004 · PubMed
    Übersichtsarbeit zweier Tierärzte, einer davon zugleich Hufschmied.
  8. Findley JA, Pinchbeck GL, Milner PI, Bladon BM, Boswell J, Mair TS, Suthers JM, Singer ER (2014): Outcome of horses with synovial structure involvement following solar foot penetrations in four UK veterinary hospitals: 95 cases. Equine Veterinary Journal 46(3):352–357. doi:10.1111/evj.12124 · PubMed
    Rückblickende Klinikstudie mit 95 schweren Nageltritten. Sie zeigt nur die schweren Fälle, die in eine Klinik kamen.
  9. Beasley B (2024): Hoof Cracks in Horses. Merck Veterinary Manual (Fachbegutachtung: A. Abuelo). merckvetmanual.com
    Tiermedizinisches Nachschlagewerk, Kapitel zu Hornspalten.

Diese Seite ersetzt keine tierärztliche Untersuchung.